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Was nehmen wir mit nach Hause?

Es waren wieder intensive, interessante und auch anstrengende Tage in Uganda. Allein der Trip von Bernried nach Adilang und zurück ist jedes Mal eine Herausforderung und wir sind froh und dankbar, nach sechzehn Tagen wieder wohlbehalten zu Hause zu sein. Und am Ende stellt sich wie immer die Frage: Was hat es gebracht? Was nehmen wir mit nach Hause?

Was wir in jedem Fall mit nach Hause gebracht haben, ist viel Flugobst …

… und ich musste schmunzeln, dass Edeka genau am Tag unserer Rückkehr Flug-Ananas zu einem stolzen Preis angeboten hat. Da versteht man erst, wie wertvoll Heikes Marmelade ist.

Aber deswegen sind wir natürlich nicht unterwegs gewesen. Unser Ziel war dieses Mal, etwas mehr Zeit für die einzelnen Themen zu haben, um uns detaillierter mit der aktuellen Situation und den notwendigsten Veränderungen beschäftigen zu können. Emmanuel hob zum Abschied auch den Wert der „Quality discussions“ hervor, die in dieser Zeit möglich waren.

Für unsere Berufsschule Adilang Vocational Training Institute (AVTI) konnten wir einige erfreuliche Fortschritte feststellen. Der Schulleiter Charles kümmert sich sehr darum, dass die Schüler nicht unterjährig aussteigen, er geht jedem Einzelnen hinterher, der zum nächsten Term nicht erscheint, und er versucht konsequent auf die Eltern zuzugehen, damit die Zahlung des Schulgelds verlässlich erfolgt. Das Schulgelände wird inzwischen nahezu flächendeckend für die Anbauaktivitäten der Schulfarm genutzt, die Tierhaltung ist offensichtlich bei Thomas, der in der Berufsschule Landwirtschaft gelernt hat, in sehr guten Händen, das Schulgelände ist sauber und das Lager wird inzwischen von Salva vorbildlich geführt. Dass das AVTI kürzlich die unbefristete Zulassung bekommen hat, ist auch vor allem Verdienst der Schulleitung.

Ein Hauptaugenmerk muss auf die finanzielle Nachhaltigkeit der Schule gerichtet werden. Charles plant schon viele Aktivitäten, um die Schülerzahl im nächsten Jahr zu erhöhen. Die Kosten können gesenkt werden, wenn die Schulfarm, die in diesem Sommer auch von der lang anhaltenden Dürre betroffen war, hilft, die Kosten für die Verpflegung der Schülerinnen und Schüler sowie des Personals weiter zu senken. Auch die bevorstehende Zulassung als Prüfungsort für staatliche UVTAB-Prüfungen wird helfen, Kosten zu sparen. Eine Erhöhung der externen Umsätze zum Beispiel durch die Vermietung der Main Hall für Veranstaltungen ist ab sofort möglich.

Was wir explizit in diesen Tagen angestoßen haben, ist, dass die Schulleitung die umfassende Verantwortung für Kosten und Erlöse der Schule übernimmt. Bisher lag diese Verantwortung beim Dongo Paco-Vorstand, während die Schulleitung sich darauf beschränkte, einzelne Budgetpositionen einzuhalten und gegebenenfalls die Notwendigkeit zusätzlicher Budgetpositionen klarzumachen. Dies wollen wir nun zügig ändern, damit die Verantwortung für die Balance von Kosten und Erlösen in eine Hand kommt.

Langfristig hängt die Überlebensfähigkeit der Schule sehr stark von der Qualität der Ausbildung und den Berufschancen der Absolventen ab. Wir drängen deshalb unter anderem auf ein Alumni-Netzwerk, um den Werdegang der Absolventen zu verfolgen und ihr Feedback berücksichtigen zu können.

In Summe ist es noch ein weiter Weg, bis unsere Berufsschule auf eigenen Beinen stehen kann, aber es ist Bewegung in die richtige Richtung erkennbar, was uns optimistisch stimmt.

Ein ganz zentrales Thema für unser Gesamtkonstrukt ist unsere landwirtschaftliche Kooperative, die Adilang Farmer’s Cooperation (AFC). Das beherrschende Thema in diesen Tagen war die lange Dürreperiode von Mitte April bis Mitte Juli. Auch im Bewusstsein des Klimawandels war dies ein außergewöhnliches Ereignis, wie es laut Wetterstatistik nur alle zehn bis zwanzig Jahre vorkommt. Die schwache Maisernte in der ersten Pflanzperiode – wir müssen wohl mit Einbußen von ungefähr 80% bei der Maisernte rechnen – erschwert natürlich den Start der Kooperative. Die beteiligten Farmer und der Vorstand der Kooperative sind aber überzeugt, dass der eingeschlagene Weg trotzdem der richtige ist. Trotz aller wetterbedingten Widrigkeiten wird die Ausbildung in Form von Trainings, die abgestimmte Vorgehensweise und geleistete Starthilfe als wertvoll und wichtig wahrgenommen.

Während unseres Aufenthalts konnte ich an der AFC-Vorstandssitzung teilnehmen, in der Entscheidungen für die zweite Pflanzperiode getroffen wurden. Statt der ursprünglich geplanten Sonnenblumen wird noch einmal Mais angebaut, um den im Boden befindlichen Dünger zu nutzen, vor allem aber, um dem Hunger entgegen zu wirken, der sich Anfang nächsten Jahres unweigerlich einstellen wird, wenn die Vorräte aufgebraucht sind.

Wir können hier beitragen, indem wir bei der Überarbeitung der vorliegenden Drei-Jahresplanung mithelfen, die an die neuen Entwicklungen angepasst werden muss. Auf dieser Grundlage kann die Kommunikation mit den beteiligten Farmern bezüglich der weiteren Entwicklung wesentlich fundierter erfolgen.

Wo wir auch unterstützen können, ist die Eröffnung von Fördermöglichkeiten. Unser Termin mit den Rotary-Vertretern in Gulu hat bereits in den Tagen unserer Reise einige Folgeaktivitäten bewirkt, die wir weiter intensiv begleiten werden. 

Die vielen Gespräche, die ich mit dem Manager der Kooperative Nelson führen konnte, helfen dabei, mit besserem Verständnis unterstützen zu können.

Sehr viel Zeit haben wir in diesen Tagen für unsere Schneiderei, die Dongo Paco Tailors & Designers, aufgewendet. Heike hat tagelang mitgeholfen, die Werkstattorganisation auf einen verbesserten Stand zu bringen. Regale und abschließbare Schränke erlauben einen besseren Materialfluss in der Schneiderei. fahrbare Ständer ermöglichen eine bessere Präsentation der Ware und bauliche Veränderungen im Vorfeld haben mehr Platz und Licht gebracht.

Gemeinsam haben wir an einer Geschäftsstruktur und zugehörigen Regeln gearbeitet. Die Werkstatt ist künftig eine Arbeitsumgebung für selbstständig arbeitende Frauen und gleichzeitig ein kleiner Betrieb, der Produkte erstellt und anbietet, gesteuert von einer hierfür eingesetzten Produktmanagerin. Diese Neuaufstellung wurde in diesen Tagen konzipiert und es wird noch ein bisschen Zeit erfordern, um dies in routinierte Abläufe zu bringen, aber der Anfang ist gemacht und wir sind überzeugt, dass eine erfolgreiche Umsetzung möglich ist.

Ein weiteres Thema, mit dem wir uns in den Tagen ausführlich beschäftigt haben, ist die Vorschule in Lamwon. So viel Freude dieses Thema auch macht – es geht einem das Herz auf, wenn man die kleinen Stars sieht – so muss man doch feststellen, dass die Vorschule im gewissen Sinne eines Neustarts bedarf. Der laufende Betrieb ist nicht kostendeckend und die Anzahl der kleinen Schüler ist nach dem erfolgreichen Start stetig gesunken, was schon allein deshalb ein Alarmsignal ist, weil es bedeutet, dass viele Kinder die Vorschule nutzen, viele aber auch nicht. Die Zukunft dieser Kinder ist jede Mühe wert, die Entwicklung positiv zu gestalten.

Wir sehen nach intensiven Diskussionen, in denen wir auch viel über die Hintergründe gelernt haben, dass wir uns um die klare Definition und Zuordnung von Rollen und Veranwortlichkeiten kümmern müssen, um die Mobilisierung der Familien und um die Ingangsetzung der Produktion auf dem für die Vorschule zur Verfügung gestellten Land, was in Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Kooperative gelingen kann. Das alles ist nicht einfach und bedarf viel Arbeit für eine Verfeinerung der Konzeption und der zugehörigen Realisierung und einem Zusammenwirken vieler Kräfte bis hin zu den politischen Führern. Der Weg ist aber nun klar vorgezeichnet und die Umsetzung kann gelingen.

Übergeordnet zu den einzelnen Themen war der Austausch mit den politischen Führern während der Woche intensiver als alles, was wir bisher erlebt haben. Dass der Parlamentsabgeordnete Makmot Dongo Paco die NGO-Registrierung überbringen konnte, war hoffentlich erst der Anfang. Bei Themen wie dem Anschluss an das öffentliche Stromnetz erhoffen wir uns viel Hilfe vom Zusammenwirken des Abgeordneten mit den Verantwortlichen auf der Landkreisebene. Die drei Bürgermeister von Greater Adilang wollen wir konkreter für einzelne Themen einspannen als bisher, wofür die verschiedenen Treffen in diesen Tagen bis hin zur gemeinsamen Müllsammlerei ein guter Anfang waren. Und auch für die darunter liegenden Führungsebenen haben wir mit dem großen, gut organisierten Treffen hoffentlich einen Anstoß gegeben, der unsere Themen befördert. 

Und überdies: Es hat wieder viel Freude gemacht. Jeder Fortschritt ist eine Belohnung für die Mühe, die es kostet, etwas zu bewegen.

Ich hoffe, euch hat das „Mitreisen“ auch etwas Spaß gemacht und ihr konntet aus der Ferne einiges Neue erfahren und Bekanntes besser verstehen. Unterstützt uns bitte weiterhin so großartig wie bisher, es gibt weiterhin viel aufzubauen und für die langfristige Überlebensfähigkeit zu rüsten. Gemeinsam ist weiterhin viel möglich!

1 Gedanke zu „Was nehmen wir mit nach Hause?“

  1. Ja, das „Mitreisen“ hat Freude gemacht, täglich schaute ich als erstes nach neuen Berichten.
    Ich danke Dir und Heike für Euren großen Einsatz und freue ich über alle Fortschritte.

    Alles Gute !
    Traudl aus Würzburg

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