Heute ist in der Berufsschule Career Day und Visitation Day. Anlässlich des Career Days sind Vorträge anberaumt, in denen den Schülerinnen und Schülern Wege für die weitere Ausbildung und für den Einstieg in den Beruf vermittelt werden sollen. Visitation Day ist eine Mischung aus Tag der offenen Tür und Besuchstag für die Studenten im Boarding. Boarding, also Internat, heißt hier in Uganda, dass die jungen Leute nur in der Ferien heimkommen, ansonsten durchgehend, also auch am Wochenende, in der Schule sind. Sie dürfen nur mit Erlaubnis des Principals die Schule verlassen. Heute ist somit die Gelegenheit für die Eltern, ihre Sprößlinge zu besuchen,.
Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst um sieben Uhr und weil wir mit gutem Beispiel vorangehen wollen, sind Gladys, Vivian und ich kurz vor sieben auf dem Schulgelände. Father Jino, der den Gottesdienst hält, kommt wenige Minuten nach sieben. Die Schüler haben es nicht ganz so eilig und so wird es halb acht, bis das Ganze beginnt. Der Schulleiter greift dies aber durchaus auf und ermahnt die jungen Leute, die in Uganda weit verbreitete Art, mit Pünktlichkeit umzugehen, zu ändern und die vereinbarten Zeiten einzuhalten.
Der Gottesdienst wird gestaltet von einem Chor, der sehr rhythmische Lieder singt, wobei alle mitsingen, mitklatschen und sich zum Rhythmus bewegen. Am meisten beeindruckt mich aber die Predigt von Father Jino. Er spricht zwanzig Minuten über das Evangelium von dem Schatz in einem Acker, der einen Mann veranlasst, alles zu verkaufen, um diesen Acker zu erwerben. Und er predigt in einer Form, dass die jungen Leute zwanzig Minuten am Lachen sind und am Schluss aus vollem Herzen applaudieren. Ich habe selten einen Priester erlebt, der seine Botschaften so wirkungsvoll transportieren konnte.
Danach fahren wir ins Guesthouse zum frühstücken und ich nutze die Chance, mit meinen Nacharbeiten der Themen etwas aufzuholen.
Nach dem Mittagessen fahre ich wieder in die Berufsschule, um dort noch an den laufenden Aktivitäten teilzunehmen. Die Vorträge sind gerade zu Ende und die Schülerinnen und Schüler kommen aus der Main Hall. Auch eine größere Anzahl von Eltern hat offensichtlich zumindest einen Teil der Vorträge gehört. Es beginnt nun ein Rundgang über das Schulgelände und die verschiedenen Ausbildungsgänge stellen vor, was sie gelernt haben.
Sehr beeindruckend finde ich die Erzeugnisse der Schneiderinnen.
Nelson stellt für die Landwirtschaft vor, wie man Flüssigseife herstellt.
Und auch die Einrichtung der Küche zeugt zumindest von einem guten Anfang.
Ich lasse mir von Daniel, dem Lehrer der Schneiderinnen noch ein paar Kalkualtionsgrundlagen vermitteln, zum Beispiel was ein fairer Stundenlohn sein könnte, dann bringt mich Pius auf dem Moped zurück zum Guesthouse.
Heike und ich sitzen auf der Terrasse zur Straße und es ist amüsant, dass binnen einer Stunde die ganze Politprominenz des Dorfes zufällig vorbeikommt und kurz vom Moped springt, um hallo zu sagen. Mohammed, der Bürgermeister von Adilang Subcounty begrüßt uns herzlich und mit ihm Peter Cox, den ich aus dem Schulvorstand kenne. Gleichzeitig kommt Dr. Richard, der Präsident der Agriculture Cooperative und auch Blueday, der Bürgermeister von Adilang Center, fällt vor lauter Winken fast vom Moped.
Vom Prinzipal habe ich noch erfahren, dass am Dienstag in Uganda Public Holiday ist, weil die LC1-Führungskräfte, also die unterste Führungsebene, gewählt wird. Das macht die Planung der letzten zwei Tage, die wir hier sind, nicht einfacher. Mal sehen, was wir noch alles hinbekommen.
Abends sitzen wir ausnahmsweise drin, weil es ein Gewitter gegeben hat und es tatsächlich frisch ist draußen. Seit wir hier sind, hat es jeden Tag geregnet – wir wollen jetzt nicht behaupten, dass wir den Regen gebracht haben, aber wir freuen uns auf jeden Fall darüber.