Wir frühstücken im Freien und beginnen schon mal die Diskussion um unseren Kindergarten in Lamwon. Auch der Kindergarten steht finanziell noch nicht auf eigenen Beinen und in den vergangenen Monaten hat auch die Zahl der Kinder abgenommen. Ich erfahre viel über die Hintergründe, die zum Teil finanzieller Art sind, aber auch mit fehlender Führung und fehlendem Vertrauen der Menschen untereinander zu tun haben. Die Überlappung der Tätigkeiten der Kooperative und dem Kindergarten-Thema kann uns helfen, es müssen aber klare Rollen und Entscheidungsbefugnisse etabliert werden. Die politische Führung muss die Eltern überzeugen, dass die Vorschule für die Kinder wichtig ist, um einen guten Einstieg in weitere Schulbildung zu finden und die Eltern müssen verstehen, dass die Vorschule nur auf Dauer überleben kann, wenn die laufenden Kosten gedeckt werden.
Konkret wird Gladys nun einen Entwurf für die Rollen und Verantwortlichkeiten vorlegen und zusammen mit Berna müssen Varianten für die Eltern erarbeitet werden, die ihnen erlauben, entweder volle Schulgebühren zu zahlen, die kostendeckend sind, oder Essen und andere Materialien beizusteuern und/oder ihren Beitrag durch Arbeiten auf dem Feld zu leisten, das Ertrag für den Kindergarten bringen wird. Zu den Verantwortlichkeiten zählt dann auch, wie die Arbeit auf dem Feld organisiert wird und wie Erträge verkauft werden.
Dies ist alles auch deshalb dringend, weil wir das Modell der Vorschule wenn möglich schon zum Beginn des nächsten Jahres auf einen zweiten Standort übertragen wollen und dafür sollen nicht die Mängel kopiert werden, sondern ein funktionsfähiges Modell. Die vielen Kleinen, denen wir wirksam helfen können, sind die Anstrengung in jedem Fall wert.
Nach zwei Stunden rauchen uns die Köpfe und deshalb gehen Emmanuel, Gladys und ich zu Fuß in die Berufsschule, das sind ungefähr zwei Kilometer. Am Rande des Schulgeländes kommen wir an einem kleinen „Rohbau“ vorbei. Hier entsteht ein Haus für die Frau, die uns das Grundstück für das Betriebsgelände der Kooperative, das wir gestern besichtigt haben, verkauft hat. Sie will aber im Grunde kein Geld, sondern ein Haus, wo sie wohnen kann. Das macht viel Sinn und ist aufgrund der Nähe zum Schulgelände ein Betätigungsfeld für unsere Maurerstudenten.
Der Rest des Vormittags und der ganze Nachmittag vergehen dann damit, dass die Vorstandssitzung der Kooperative am Donnerstag und das Treffen der neugewählten Politiker am Freitag vorbereitet werden. Ich sitze mit Berna an den Zahlen der Kooperative und wir versuchen, die Planung in eine Form zu bringen, die in kurzer Zeit im Vorstand vermittelbar ist. Wir wissen alle, dass die Wirklichkeit aufgrund der Trockenheit die Hoffnungen nicht erfüllen wird, aber es ist trotzdem sehr wichtig, dass die Vorstandsmitglieder die Planung als Ausgangspunkt verstehen, sodass man dann über Auswirkungen von externen Einflüssen und Gegenmaßnahmen sprechen kann.
Zwischendurch übergebe ich ein GPS-Gerät an die Kooperative, also an Nelson und zwei Extension Workers. Das Gerät, das ich mitgebracht habe, hilft ihnen bei der Landvermessung und ich konnte die letzten Tage vor Ort selbst sehen, dass dies mehr als sinnvoll ist.
Kurz nach sechs Uhr fahren wir zurück ins Guesthouse, da die drei Bürgermeister der Großgemeinde noch kommen wollen, um die Inhalte für Freitag zu besprechen. Wir sitzen mit Blueday, dem Bürgermeister von Adilang Center und David, dem Bürgermeister von Laperebong zusammen. Mohammed, der Bürgermeister von Adilang Subcounty hat es leider nicht rechtzeitig geschafft, und da ein heftiges Gewitter niedergeht, werden wir ihn auch erst am Freitag sehen. Emmanuel erklärt die Struktur und die Inhalte von Dongo Paco, ich erzähle über Helfen am Ursprung. Die beiden bringen zum Ausdruck, wie sehr sie die Aktivitäten schätzen und wollen in jedem Fall konstruktiv mitarbeiten, wo immer sie können.
Zwischendurch kommen Breaking News: Dongo Paco ist als NGO im offiziellen NGO-Register von Uganda eingetragen. Auf dieses Ereignisse haben wir drei Jahre lang gewartet und es hat Emmanuel und sein Team viel Mühe gekostet, dies zu erreichen. Das ist ein Grund zum Feiern!
Heike war mit Petra und Julias, dem Fahrer, den ganzen Tag in Lira, um Sachen für die Schneiderei zu besorgen und einen Überblick zu bekommen, was zu welchen Preisen angeboten wird. Lira heißt drei Stunden hin, drei Stunden zurück und vier Stunden sind sie durch die Stadt gelaufen, wobei sie glücklicherweise eine junge Frau getroffen haben, die sie für alles, was gekauft werden sollte, in die entsprechenden Geschäfte geführt hat.
Am Ende sind wir alle sehr müde, wir essen noch zusammen mit den beiden Bürgermeistern und fallen dann ins Bett.