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We don’t give up

Frühmorgens kommt als Überraschungsbesuch Monsignore Matthew Odong vorbei, um uns hallo zu sagen. Er hat gestern sein 39jähriges Priesterjubiläum gefeiert und ist jetzt auf dem Weg zurück nach Hause.

Er verspricht, Anfang kommender Woche abends auf ein Bier vorbeizukommen.

Nachdem wir gestern nach dem Abendessen noch viel über die Schneiderei gesprochen haben, setzen wir uns nach dem Frühstück zusammen und versuchen, die Einzelteile zu ordnen. Wir wollen die bisherige Idee verlassen, dass die Schneiderinnen hier ihre erste Maschine verdienen und dann Platz machen für die nächsten. Künftig sollen die Schneiderei eine Arbeitsumgebung sein, in der die Schneiderinnen ihre eigenen Aufträge abarbeiten und monatlich einen festen Betrag für Geräte, Miete und die Werkstattleitung bezahlen und natürlich für Material der Werkstatt, das sie einsetzen. Um die Kosten der Schneiderei zu decken, soll es außerdem Produkte geben, die von der Schneiderei vermarktet werden, wobei die Schneiderinnen für ihren Arbeitseinsatz entlohnt werden. Produkte können Kleidungsstücke zum Verkauf oder zur Vermietung oder Taschen, Schmuck oder anderes sein, was nicht nur in der Schneiderei, sondern auch auf Märkten oder in Läden verkauft wird. Petra soll weiterhin die Werkstattleitung innehaben, für die Produktauswahl, die Bepreisung und den Verkauf wird Dorothy zuständig sein, erforderliche Investitionen werden mit der Leitung von Dongo Paco abgesprochen, wobei Investitonen auch in gezielten Trainings bestehen können.

Es gilt nun, die Veränderungen zu implementieren und dazu sollen während der Woche noch entsprechende Treffen stattfinden. Wir fahren dann auch gleich noch an der Schneiderei vorbei, um uns einen Eindruck vor Ort zu verschaffen.

Die von Heike angeregten Umbauten sind noch im Gange, aber man kann erkennen, wie neue Ordnung entsteht, und das hoffentlich sowohl räumlich als auch strukturell.

Auf dem Weg zur Berufsschule treffen wir Dr. Robert, den Präsidenten unserer Adilang Farmer’s Cooperative. Er begrüßt uns sehr herzlich und ich habe das Gefühl, er will sich entschuldigen, dass aufgrund des ausgebliebenen Regens die Ernte enttäuschend sein wird. Aber dann hebt er den Kopf und sagt: „We don’t give up“. Das ist für mich das Motto des Tages.

Wir verabreden uns zur Besichtigung des Landes, das für den zentralen Betriebshof der Cooperative gekauft wurde. Bisher kannten wir die Lage auf Google Maps …

… nun sehen wir auch das zugegebenermaßen unscheinbare Bäumchen, das eine zugehörige Ecke des Grundstücks markiert. Wir gehen um das ganze Grundstück und ich bin immer wieder beeindruckt, wieviel ein Hektar Land doch ist. Und ich erinnere mich, dass wir vor etwas mehr als vier Jahren das Grundstück für die Berufsschule umrundet haben, das damals auch blanke Wiese war.

Zurück in der Berufsschule habe ich die Gelegenheit, mich mit dem IT-Lehrer Elly zu unterhalten. Ich bin positiv überrascht zu hören, wie IT unterrichtet und für die anderen Fächer genutzt wird. Die Studentinnen und Studenten lernen im Unterricht Word und Powerpoint und bekommen in den anderen Fächern Aufgaben, die sich durch Internetrecherche lösen müssen. Die Maurer beispielsweise sehen sich Videos zu einzelnen Techniken an und müssen dann Fragen dazu beantworten. Sogar Webdesign ist ein Thema – die Schule hat eine eigene Website, die hier gepflegt wird – und auch Künstliche Intelligenz in Form von ChatGPT wird eingesetzt. Die sechs zur Verfügung stehenden PC-Arbeitsplätze sind nicht sehr viel, aber ich finde toll, was damit alles gemacht wird.

Nach dem Mittagessen setzen wir uns im Guesthouse mit Dorothy zusammen, um mit ihr das neue Modell für die Schneiderei zu besprechen. Ich denke, sie versteht, dass die Rolle, die ihr damit zukommt, anspruchsvoll ist, aber sie ist offensichtlich bereit, es in dieser Weise zu versuchen. Nach einem langen Gespräch haben wir alle das Gefühl, dass es so klappen kann.

Ich habe für die Berufsschule Fußballdressen dabei, und zwar einen kompletten Satz für die Jungen und einen kompletten Satz für die Mädchen. Die jungen Leute sind gerade auf dem Sportplatz am Trainieren und sie haben offensichtlich eine sehr große Freude mit der neuen Ausstattung.

Im Anschluss fahren wir noch einmal auf die Felder, um einen Eindruck von den Ernteerträgen zu bekommen. Nelson hat in der Pfarrei Orina Bescheid gegeben, dass zwei der zehn Farmer bereit sein sollen, uns die Felder zu zeigen. Als wir ankommen, warten acht Farmer auf uns. Natürlich geht es auch hier um die durch den fehlenden Regen verursachten Probleme, aber einer der Farmer sagt: „The beginning of everything is difficult.“ Alle sind nach wie vor vom Nutzen der Kooperative überzeugt und laut Nelson sind die Ergebnisse auf den Feldern der Kooperative durch die besseren Anbaumethoden und das gute Saatgut trotz aller Einbußen im Schnitt immer noch deutlich besser als auf den Feldern außerhalb der Kooperative. 

Auf dem Rückweg sehen wir auch noch ein Feld in Kapyami an. Der Farmer hier hat sich ziemlich mutig dazu entschieden, in die Trockenheit hinein anzupflanzen und er hatte das Glück, dass es entgegen der Empfehlungen gut gegangen ist.

Spät kommen wir zurück ins Guesthouse, aber am Ende recht glücklich über die erreichten Ergebnisse. Und es zieht ein Gewitter auf und es regnet! Selten habe ich mich so über Regen gefreut.

Noch kurz eine Geschichte vom gestrigen Tag. Beim Besuch eines Feldes empfängt uns ein Mann, der sagt, dass seine Frau die Farmerin ist und gleich kommt. Als ich frage, wieso seine Frau der Farmer ist und nicht er, bekomme ich zur Antwort, dass er der „Landlord“ ist, also der Grundbesitzer. Emmanuel und ich halten dies für ein sehr interessantes Modell und wir lachen jedesmal herzlich, wenn wir die Geschichte erzählen.

1 Gedanke zu „We don’t give up“

  1. Lieber Albert, liebe Heike,
    ich freue mich – wie immer – über Eure Berichte und die erfolgsversprechenden Aktivitäten. Es ist ein wirklich gutes Projekt.
    Übrigens, Heike, schönes Kleid :-), ein Lob den Schneiderinnen.

    Grüße aus Würzburg
    Traudl

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