Heute ist das Treffen mit den – größtenteils neu gewählten – politischen Führern der Gemeinde Adilang und des Distrikts Agago. Es werden 50-60 Personen erwartet und das Ziel ist, die Tätigkeitsfelder und die zugehörigen Institutionen vorzustellen. Beim Frühstück treffen wir Francis, den zweiten Vorstand von Dongo Paco, der spät in der Nacht noch aus Lira gekommen ist.
Das Meeting soll um neun Uhr beginnen – als ich zusammen mit Gladys kurz vor neun ankomme, sind kaum zehn Personen da. Von den drei Bürgermeistern der Großgemeinde Adilang sind aber schon zwei da, Blueday von Adilang Center und Mohamed, den wir schon 2022 kennengelernt haben, von Adilang Subcounty. Das Dongo Paco-Team als Veranstalter ist noch fleißig am Vorbereiten, was mich nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht erstaunt, aber die Bürgermeister fragen, wann es losgeht. Ich spiele den Ball zurück und sage, dass die Teilnehmer auch noch recht wenig sind, was die zwei aktiv werden lässt, da die meisten Teilnehmer zu ihren eigenen Teams gehören. Sie rufen daraufhin alle einzeln an – auch den dritten der Bürgermeister – und erzählen jedem, dass alle hier warten, dass es aber nicht losgehen kann, weil der jeweils Angerufene eine wichtige Aufgabe bei der Eröffnung hätte. Wir, die wir anwesend sind, amüsieren uns köstlich darüber.
Nach einem Eröffnungsgebet, einer Begrüßung und einer Vorstellungsrunde gibt Emmanuel einen Überblick über Zielsetzungen und Themen von Dongo Paco, Charles stellt die Berufsschule Adilang Vocational Training Institute vor, Nelson die Adilang Farmer’s Cooperative und Francis die verbleibenden Themen. Neben der Vorschule in Lamwon und unserer Schneiderei Dongo Paco Tailors & Designers wird auch die geplante Kinderbücherei als Projekt genannt.
Nach einem kleinen Frühstück für alle werden dann in drei Gruppen Probleme und Lösungsmöglichkeiten für die verschiedenen Themenfelder diskutiert. Das läuft unter der Leitung von Nelson alles sehr professionell.
Ein kleiner Junge hat mich zum Freund erkoren und kommt immer wieder bei mir vorbei.
Am Ende der Gruppenarbeit werden gut gefüllte Flip-Charts an die Wand gepinnt und die Sprecher der Gruppen stellen die Ergebnisse vor.
Nun bin ich an der Reihe und darf zu den versammelten Leadern sprechen. Das, was ich mir gestern Abend überlegt hatte, ist eigentlich alles schon gesagt und so muss ich spontan umdisponieren. Nachdem sich schon zahlreiche Sprecher bei mir bedankt haben, gebe ich den Dank zurück für das Vertrauen, das uns von Anfang an geschenkt wurde und die bisherige Unterstützung. Ich betone, dass Berufsschule, Kooperative, Vorschule und Schneiderei Institutionen der Gemeinde sind, dass aber die Phase, dies alles verantwortlich zu übernehmen, noch viel Anstrengung der Menschen von Adilang und insbesondere der politischen Führer erfordert.
Inzwischen ist auch Heike eingetroffen. Sie hat im Laufe des Vormittags gemeinsam mit den jungen Frauen in der Schneiderei alles sortiert, sodass nun zusammen mit den Umbauten eine wesentliche verbesserte Arbeitsumgebung geschaffen wurde.
Emmanuel begrüßt Heike als „Brain“ der Schneiderei und des Kindergartens.
Nun sind die Vertreter des Distrikts dran, die zwar spät, aber rechtzeitig für ihren Auftritt eingetroffen sind. Zunächst spricht eine Frau, die im Landkreis Development Officer ist und in dieser Rolle auch die Aktivitäten in Adilang verfolgt. Dann kommt der im Landkreis für Erziehung zuständige Officer, wir würden wohl Schulrat dazu sagen, an die Reihe. Der dritte ist der Stellvertreter des CAO, der Chief Administration Officer. Der CAO ist als einziger direkt der Regierung in Kampala unterstellt und ist für die Teilnahme an landesweiten Projekten zuständig.
Als nächstes kommt der District Commission Officer des Distrikts Agago dran, Wilson Otto. Er bedankt sich ausführlich und sagt: „When we meet in heaven, I still thank you.“ Das ist ein Versprechen, an das ich ihn wohl nicht so schnell erinnern kann. Er macht uns aber auch Hoffnungen auf einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz, da die Berufsschule wohl gut in die Kriterien entsprechender Regierungsprogramme passen würde.
Vor der letzten Rede bekommen fünfzehn Volontiers von Dongo Paco, die die Verbindung zu den verschiedenen Gemeindeteilen halten, eine Bescheinigung mit der Verlängerung dieser Rolle für das nächste Jahr überreicht.
Als letzter ist Makmot dran, der Bruder von Berna, als Parlamentsmitglied von Uganda der ranghöchste Anwesende. Emmanuel hat ihm die letzten Wochen enormen Druck gemacht, für Dongo Paco den Eintrag in das NGO-Register durchzusetzen. Ohne diesen Erfolg hätte er, wie er später erzählt, wohl eine Ausrede gefunden, um nicht hierher kommen zu müssen, aber so ist er letzte Nacht nach einer Parlamentssitzung noch von Kampala nach Gulu gefahren und heute Vormittag hierher gekommen. Er sagt, wenn wir es von Deutschland hierher geschafft hätten, wäre es ihm doch ein großes Anliegen gewesen, von Kampala hierher zu kommen.
Auch heute muss es natürlich ein Gruppenfoto geben.
Dann gibt es Mittagessen, wobei der Catering-Lehrer und seine Schülerinnen in Zusammenarbeit mit dem Personal des Guesthouses gute Arbeit leisten und eine sehr gute Figur abgeben.
Damit ist die Veranstaltung zu Ende und Heike und ich können schon mal ins Guesthouse zurück. Um sechs Uhr kommt Blueday, der Bürgermeister von Adilang Center vorbei, weil morgen eine große, von der Regierung angeordnete Müllsammelaktion in Adilang stattfindet und Heike ihm Plastikhandschuhe versprochen hat, die sie zufällig dabei hat. Ich unterhalte mich sehr lange mit ihm und am Ende vereinbaren wir, dass wir morgen ab acht Uhr früh zusammen Müll sammeln.
Heike fängt dann an, mit den Mädels in der Küche Käsespätzle und Zucchiniballs zu machen.
Um acht kommt aber die Nachricht, dass Emmanuel und Berna bei Bernas Eltern sind und Heike und ich dazukommen sollen, was wir natürlich machen. Bernas Vater, ein Arzt, der immer zwischen Uganda und Kanada hin und her gewechselt ist, ist inzwischen 94 Jahre alt und nicht mehr so ganz mobil, aber er freut sich, dass wir kommen. Bernas Mutter ist zwanzig Jahre jünger und noch wesentlich fitter. Sie hält sich aber etwas abseits, da Emmanuel hier ist und, wie wir durch unsere früheren Besuche wissen, Mütter und Schwiegersöhne in Uganda immer Abstand halten. Auch Veraline ist hier, Bernas Schwester aus Kanada, und Makmot, Bernas Bruder. Es ist recht lustig in der Runde und so bleiben wir mehr als eine Stunde. (Foto kommt noch)
Zurück im Guesthouse wird das Abendessen fertig gemacht. Ich muss, damit es schneller geht, eine ganze Zeit auf die Zwiebel für die Käsespätzle aufpassen, was die Mädels sichtlich amüsiert, da in Uganda ein Mann in der Küche eigentlich nichts verloren hat. Um zehn gibt es dann Essen, Makmot und Veraline sind auch gekommen, Francis ist dabei und später kommt auch Vivian, die im Vorstand von Dongo Paco und irgendwie auch mit allen verwandt ist.
Um halb zwölf gehen wir alle ins Bett, Emmanuel und Berna wollen morgen sehr früh aufbrechen und nach Entebbe zurück fahren, weil Emmanuel am Tag darauf nach Äthiopien fliegt.
Ein Riesenprogramm habt Ihr da, meinen Respekt!
Ich bin gespannt auf die Zusammenfassung der Ergebnisse wenn Ihr zurück kommt. Da möchte ich gerne mal mit Euch reden, habe auch ein paar Ideen.
Liebe Grüße
Traudl