Nach dem Frühstück wechselt Heike in unsere kleine Schneiderei Dongo Paco Tailors & Designers. Dort wurde im Vorfeld auf Heikes Betreiben einiges umgebaut und installiert. Die Wand zwischen dem vorderen und dem mittleren Raum wurde herausgenommen, um mehr Platz zum Arbeiten zu schaffen und den mittleren Raum mit Tageslicht zu versorgen. Schränke und Regale wurden angeschafft und fahrbare Kleiderständer zum Präsentieren von Ware. Heike hilft beim Sortieren und sie besorgt und installiert Stangen um Kleidungsstücke geordnet aufzuhängen.
Mit der Leiterin der Schneiderei Petra ist sie außerdem auf dem Markt unterwegs, um noch das eine oder andere zu kaufen, und sie sammelt Informationen über die finanzielle Situation der Schneiderei.
Ich fahre mit Emmanuel, Berna und Gladys in unsere Berufsschule. Dort nehmen uns der Schulleiter Charles und der Verwalter Tonny in Empfang. Es gibt auch eine kurze Vorstellungsrunde mit den Lehrern, die verfügbar sind. Es laufen gerade Halbjahresprüfungen und wir sehen in einigen Räumen konzentrierte Prüflinge und andere Gruppen von Schülerinnen und Schülern, die bei den letzten Vorbereitungen sind.
Charles führt uns auf dem Schulgelände herum und wir sehen zuerst die Erweiterung des Jungen-Schlafsaals, die gerade fertig geworden ist.
Auch im Lager hat sich einiges getan, es gibt jetzt für einen Teil der Fahrräder vernünftige Aufbewahrungsmöglichkeiten, das eigentliche Lager macht einen aufgeräumten Eindruck und eine kleiner Verkaufsshop für Dinge des täglichen Bedarfs für Schüler und Lehrer soll demnächst bestückt und eröffnet werden.
Auf dem Schulgelände wird ein Großteil der Fläche für den Anbau von viel Gemüse genutzt, wobei manches gut gedeiht, anderes unter der extrem lang anhaltenden Trockenheit leidet. Dies gilt leider auch für den Mais, der auf zwei Acre angebaut worden ist.
Manches wie die Tomaten kann auch schon geerntet werden.
In guter Verfassung sind die Stallungen und die inzwischen vorhandenen Tiere. Thomas, der junge Mann, der sich um die Tiere kümmert und in unserer Schule ausgebildet wurde, leistet offensichtlich sehr gute Arbeit.
Es gibt vier Ziegen, von denen zwei trächtig sind, …
vier Schweine ….
und die zweihundert Hühner sind inzwischen kräftig gewachsen.
Zwei Rinder sollen demnächst dazu kommen und zwar von einer Art, die Milch gibt und im Gegensatz zu den hier üblichen Rindern nicht allzu weit laufen können, sodass sie für die Viehdiebe aus dem Karamoja-Gebiet uninteressant sind.
Wir sitzen dann zu viert und stellen zusammen, was in den nächsten Tagen alles passieren soll. Wie immer ist das mehr, als in der zur Verfügung stehenden Zeit eigentlich möglich ist, aber das kennen wir ja schon.
Vor dem Mittagessen sprechen wir dann noch mit den Leitern unserer landwirtschaftlichen Kooperative Nelson und Dorothy. Der Maisanbau steht wegen dem ausbleibenden Regen wie schon befürchtet unter keinem sehr guten Stern. Für Donnerstag ist eine Vorstandssitzung der Kooperative vorgesehen und bis dahin muss noch einiges analysiert werden, um dort eine zielgerichtete Diskussion über die Konsequenzen führen zu können.
Dorothy ist Anfang des Jahres Mutter geworden und sie bringt ihre kleine Priscilla samt Kindermädchen mit in die Arbeit. Die Kleine ist echt süß und sehr fasziniert von der Erkenntnis, dass es auch weiße Menschen gibt.
Nach dem Mittagessen geht Emmanuel mit mir und Gladys zum neu gewählten Bürgermeister Blue Day, um hallo zu sagen. Der Bürgermeister wird auch bei der Versammlung der politischen Amtsträger am Freitag eine wichtige Rolle spielen.
Danach fahren wir wieder in die Berufsschule und sitzen mit Charles und Tonny zusammen. Es geht um die anstehenden Termine, aber vor allem um die nachhaltige Entwicklung der Schule. Wir diskutieren, wie die Schülerzahlen gesteigert werden können, wie der Kontakt zu den Ehemaligen eingesetzt werden kann, um die Qualität der Schule im Sinne eines erfolgreichen Einstiegs in das Berufsleben zu zeigen, und die finanzielle Entwicklung der Schule. Ich mache sehr deutlich, dass der Schulleiter und der Verwalter die Finanzplanung verantworten müssen, um ihre Leitungsverantwortung vernünftig wahrnehmen zu können. Bis Ende August erwarte ich eine fundierte Vorhersage diesen Jahres. Parallel sollen Maßnahmen geplant werden, um die Situation in die richtige Richtung zu lenken, woraus dann die Planung für das nächste Jahr abgeleitet werden kann.
Gegen Abend fahren wir dann noch mit Nelson und zwei sogenannten Extension Workers, die für die Kooperative angestellt sind, zu zwei Feldern der Kooperative, um einen realen Eindruck der Situation zu erhalten. Nelson erklärt uns, dass der Ertrag auf den einzelnen Feldern bestenfalls bei 40 % liegen wird, dass manche Felder aber wegen der Trockenheit keinen Ertrag haben werden und viele Farmer mit ihrem Ergebnis irgendwo dazwischen liegen. Das sind keine guten Nachrichten und es wird noch viel Arbeit notwendig sein, um angemessen zu reagieren und vor allem für künftige Pflanzperioden die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Es ist schon dunkel, als wir zum Guesthouse zurück kommen und wir freuen uns, wie immer gut versorgt zu werden.