Zum Inhalt springen

AVTI-Impulse

In meinen Blog-Beiträge fehlen seit einigen Tagen die meisten Bilder. Grund dafür ist, dass im Zusammenhang mit den Wahlen in Uganda, die auf unterer Ebene noch im Gange sind, das Internet immer noch nur phasenweise funktioniert. Schlimmer ist noch, dass die Social Media weitgehend geblockt sind, und das betrifft auch WhatsApp. Damit wird der Austausch von Fotos mühsam. Wir versuchen, mit VPN-Verbindungen das Problem zu umgehen, aber vermutlich kann ich erst nach unserer Rückkehr Anfang nächster Woche alles einfügen, sodass unser Reisebericht vollständig wird. Bis dahin klappt es hoffentlich zumindest mit Text …

Heute am Donnerstag ist Wahl der Verantwortlichen im Distrikt, also auch der Distrikt-Verantwortlichen hier in Adilang. Der bisherige Bürgermeister Santo San möchte auf diese Ebene wechseln und auch Honorable Berna, die wir auf unseren Reisen hierher fast jedes Mal getroffen haben und die unser Projekt sehr unterstützt, tritt wieder an. Auf der kurzen Fahrt zu unserer Berufsschule kommen wir am Wahllokal vorbei, einem mit Bändern abgesperrten Platz mit ein paar Stühlen.

In der Schule steht heute Vormittag ein Termin mit dem Schulleiter Charles und dem Verwalter Tonny auf dem Programm. Außer den beiden sind noch die Dongo Paco-Verantwortlichen Emmanuel, Francis, Vivian, Rebecca, Berna und Juliet dabei. Ich habe einige Sachen vorbereitet, aber der Versuch, den Beamer einzusetzen, scheitert, vor allem an den Lichtverhältnissen. Wir müssen also mit Flip-Chart zurecht kommen.

Erster großer Punkt ist die gezielte Entwicklung der Qualität der Schule und die Größen, mit denen Qualität messbar gemacht werden soll. Hier geht es um einfache Parameter wie Entwicklung der Schülerzahlen, die Prüfungsergebnisse oder einem finanziellen Plan-Ist-Vergleich, aber auch um komplexere Themen wie einem Fragebogen für Schüler, Personal und Eltern. Als sehr wichtig sehen wir es nachzuhalten, ob die Absolventen unserer Berufsschule dann in wenigen Monaten auch in eine Erwerbstätigkeit kommen. Manches davon existiert bereits, anderes muss erst noch aufgebaut werden.

Für jede Größe wird eine verantwortliche Person benannt, die sich um Messung und Entwicklung kümmern wird.

Zweiter großer Punkt ist die finanzielle Nachhaltigkeit der Schule. Gut ist, dass wir für 2025 erstmals belastbare Plan- und Istzahlen für die Betriebskosten der Schule haben. Wie leicht zu erraten, sind die Kosten leichter steuerbar als die Einnahmen und deshalb gibt es auch noch eine Lücke. Es gilt nun, diese Lücke zu schließen, damit die Schule langfristig auf eigenen Beinen stehen kann. Nimmt man die Stipendien dazu, ist der Anteil der Betriebskosten, der über Mittel von Helfen am Ursprung gedeckt wird, noch sehr hoch, was schrittweise reduziert werden muss. 

Es werden Gegenmaßnahmen diskutiert, wobei moderates Wachstum und die Stabilisierung der Schulgebühren von Nicht-Stipendiaten die größten Punkte sein werden. Daneben gibt es aber ein Bündel von kleineren Themen, die helfen können. Beispielsweise können durch die Intensivierung der Schulfarm die Kosten für Essen weiter reduziert werden und es können durch den Verkauf von Gemüse auch höhere Einnahmen erzielt werden. Auch die Main Hall, die gerade fertig gestellt wird, kann helfen, wenn sie für geeignete Veranstaltungen vermietet wird oder durch Kostenersparnis, wenn alle Prüfungen dort abgehalten werden können.

Nach drei Stunden durchaus anstrengender Sitzung sind wir mit dem Verlauf ganz zufrieden, nun kommt es aber darauf an, dass die besprochenen Themen auch umgesetzt werden und wir hoffentlich zu einer guten Entwicklung unserer Schule beigetragen haben.

Heike, Elisabeth und Sigrid sind an diesem Vormittag in der Schneiderei, um mit den Schneiderinnen Blüten zu basteln. Das kommt bei den jungen Frauen sehr gut an und sie gestalten mit großer Kreativität kleine Kunstwerke. 

Während des Mittagessens im Guesthouse kommt Markus an, unser großer Unterstützer aus Unterneukirchen, mit dem ich im Mai 2024 schon einmal hier war. Er hat damals den Stipendiaten versprochen, dass er wiederkommt, wenn sie fertig werden und dieses Versprechen löst er nun ein. Die letzten Tage war er im Murchison Falls National Park und er kommt nun mit Fahrer und einem Ranger von dort. 

Nach dem Essen fahre ich mit Markus und seinen zwei Begleitern zur Berufsschule und erkläre ihnen bei einem kleinen Rundgang alles. Das ist auch für mich ganz interessant, wieder einmal alle Teile der Schule im Zusammenhang zu sehen.

Später haben Heike und ich zusammen mit Juliet mit dem Schulleiter Charles, dem Verwalter Tonny und dem Lageristen Salva einen Termin im Lager. Wir sind nicht so ganz zufrieden, wie Material und Spiele, die wir für die Schule mitgebracht haben, gelagert werden. In der Vergangenheit ging einiges verloren, vor allem als es noch keinen Lagerverwalter gab, außerdem gefährden Staub und Tiere die Sachen.

Charles und Tonny versprechen, künftig ein vernünftiges Inventar zu führen mit dokumentierter Ein- und Ausgabe und Boxen zu besorgen, mit denen auf einfache Weise die eingelagerten Gegenstände geschützt werden können. In wenigen Wochen sollen wir Fotos bekommen, um die Veränderung nachvollziehen zu können.

Im Anschluss bekommen auch Sigrid, Elisabeth und Veronica eine Führung durch das Schulgelände – ich bin ja jetzt schon geübt.

Als wir zurückfahren, werden auf der Straße schon die Sieger der Wahlen gefeiert. Alle sind mit Trompeten und Bannern unterwegs und es wird ausgelassen gejubelt. Berna und Santo San sind nicht gewählt worden, was wir schade finden, aber wir konnten ja leider nicht mitwählen.

Der Abend klingt wieder am Guesthouse mit gutem Essen und angeregten Gesprächen aus. Morgen ist der große Tag der Graduation …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert