Ob unsere Aktivitäten in der Gemeinde Adilang erfolgreich sind, muss sich am Ende daran messen lassen, ob es den Menschen und ihren Familien dort besser geht. Unser Vocational Training Institute ist dafür eine sehr gute Basis, da berufliche Bildung in vielerlei Hinsicht eine notwendige Voraussetzung für positive Entwicklungen sein wird. Wir wollen aber mehr unternehmen, um erfolgversprechende Veränderungen anzustoßen.
Größter Hebel aus unserer Sicht ist in dieser ländlichen Umgebung die Landwirtschaft. Die meisten Familien bestellen Land und haben ein paar Tiere, allerdings sehr kleinteilig, sodass nur 15 % der Fläche bewirtschaftet werden – 85 % liegen brach. Wenn es gelingt, mit besseren landwirtschaftlichen Methoden, höherwertigem Saatgut und dem gemeinsamen Einsatz von Maschinen die genutzte Fläche und den Ertrag pro Fläche zu erhöhen, kann viel erreicht werden. Wenn darüber hinaus mit dem gemeinsamen Einkauf von Saatgut und Dünger die Kosten gesenkt werden können, wenn durch gemeinsamen Verkauf und Lagerhaltung die Verkaufsmöglichkeiten optimiert werden können, dann könnte weiteres Potenzial gehoben werden. Erklärtes Ziel dabei ist Nachhaltigkeit, sowohl was die bewirtschafteten Böden als auch das Klima angeht. Viel Wissen aus der Berufsschule kann einfließen und in der Community weitergegeben werden.
Landwirtschaftliche Kooperativen sind in Uganda durchaus gängig und es gibt auch von staatlichen Stellen herausgegebene Rahmenwerke dazu. Erfolgskritisch ist es, die beteiligten Farmer zu überzeugen und eine funktionierende Struktur der Zusammenarbeit aufzubauen. Die Kooperative muss nicht nur auf den Feldern, sondern auch in den Köpfen wachsen. Dies geht nur mit Personal, das neben landwirtschaftlicher Expertise auch die Fähigkeit mitbringt, solche Strukturen zu formen. Seit Anfang August ist Dorothy (auf dem Bild rechts neben Florence und Pius) als Project Officer für das Thema zuständig.
Sie ist eine selbstbewusste junge Frau, die das Thema mit großem Schwung vorantreibt und schon viel für die Kommunikation der sich formierenden Gruppen von Bauern getan hat. Auf dem Bild ist sie in Lamwon vor den Gebäuden unseres Kindergartens.
Seit Oktober haben wir nun zusätzlich einen Projekt-Manager, der das Thema in Summe verantworten soll. Der junge Mann, der dafür gewonnen werden konnte, ist für uns kein Unbekannter: Nelson hat den allerersten Gartenbaukurs in der Berufsschule geleitet, der schon vor der Eröffnung der Schule stattgefunden hat. Im Januar 2023 nannte ich ihn „Master of Paradise“, weil er mit seinen Schülern Teile des Schulgeländes zu ertragreichen Gärten umgebaut hatte. Er verließ dann die Schule, um sich beruflich noch weiterzubilden, und kommt nun in verantwortlicher Position in unser Projekt zurück. Auf dem Bild von Anfang 2023 ist er rechts neben dem damaligen Schulleiter zu sehen.
Inzwischen wurde viel konzeptionelle Vorarbeit geleistet und die formale Aufstellung der Kooperative ist in vollem Gange. Mehr als 100 Mitglieder sind bereits in die Kooperative eingetreten, gegliedert in zwölf Farmer-Gruppen entsprechend den Pfarreien in der Gemeinde Adilang. Ende November fand die erste große Versammlung statt, bei der der offizielle Name der Kooperative „Adilang Farmers Cooperative“ final festgelegt wurde.
In der Versammlung wurde auch ein vorläufiger Vorstand gewählt.
Jeder Farmer bringt mindestens zwei Acre in die gemeinschaftliche Organisation und Bewirtschaftung ein – ein Acre entspricht ungefähr 0,4 Hektar, sodass die Gesamtfläche zum Start der Kooperative ungefähr 100 Hektar umfassen wird. Das entsprechende Land wurde im Dezember Stück für Stück vermessen.
Schulungen haben auch bereits begonnen, auf dem Bild unten geht es darum, Land vor Flächenbränden zu schützen.
Wir sind nun sehr gespannt, im Januar bei unserer Reise vor Ort die weitere Planung zum Aufbau der Kooperative mit den Verantwortlichen diskutieren zu können. Entscheidend wird sein, dass die Beteiligten schnell konkrete positive Wirkung sehen. Dazu ist einiges an Anschubhilfe notwendig: Personal, erste Maschinen und sonstige Gerätschaften erfordern Investitionen, Saatgut, Dünger und dergleichen müssen zumindest vorgestreckt werden. Die finanzielle Nachhaltigkeit nach einer gewissen Anlaufphase werden wir von Anfang an im Blick behalten.
In Summe sprechen wir hier in jedem Fall von einer sehr ambitionierten, aber auch erfolgsversprechenden Aktivität, die uns als großes Thema die nächsten Monate und Jahre beschäftigen wird. Und wir hoffen natürlich auf viel Mithilfe von allen, die wir überzeugen können, dass wir damit auf einem guten Weg sind, für die Menschen in Adilang dauerhaft etwas Gutes zu erreichen.
Wg nachhaltiger Düngung : ist euch „terra nigra“ ein Begriff? Eine alte, gut erprobte Methode, Böden langfristig zu verbessern und die Wasserhaltigkeit zu erhöhen durch Einbringen von Gründung, menschlichen und tierischen Fäkalien und Holzkohle ohne zusätzlichen Kunstdünger.
Lieber Andreas, vielen Dank für deinen wertvollen Hinweis! Wir werden auf nachhaltige Düngung achten. In der Berufsschule gibt es schon eine Biogas-Anlage, bei der die Rückstände als Dünger verwendet werden. Außerdem sind die Toiletten in der Berufsschule und im Kindergarten mit EcoSan realisiert, das heißt, die festen Bestandteile werden von den flüssigen getrennt und werden auch als Dünger verwendet. Für die landwirtschaftliche Kooperative ist das ein wichtiges Thema.